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Harzbergtrophy

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203km, 6818hm    Ein Bericht von Thomas Wuppinger

Eigentlich wollte ich ja nur die 101km Runde fahren. Am Freitagabend habe ich mich dann kurz entschlossen umgemeldet, da das Wetter stimmte und ich mich gut fühlte. Außerdem dachte ich mir, besser 203km nicht zu schaffen als 101km zu schaffen mit dem Gedanken, „eigentlich hätte ich noch weiterfahren können". Immerhin war es der dritte Anlauf, diese Strecke zu fahren. Ich bekomme die Startnummer 216. Sind die letzten drei Nummer meiner Handynummer. Gutes Zeichen!

Das Aufstehen um 03.30 Uhr war ungewohnt und ich würgte Müsli, Kaffee und Wasser in Mengen hinunter, sodass mir dann beim Start um 5.00 Uhr schlecht war. Ich hatte auch ein gemischtes und pessimistisches Gefühl, ob ich es überhaupt schaffen werde. Aber letztendlich war ich jetzt hier und jetzt fahre ich einmal. Das Anfangstempo war relativ hoch. Puls so um die 155/160 – zu hoch! Mir wurde noch mehr schlecht. Nach dem ersten Berg musste ich das erste Mal aufs Klo – große Seite. Ich fuhr mit Rucksack (würde ich nicht mehr machen) und hatte zum Glück Taschentücher mit. Fünf minütige Sitzung im Wald. Danach gings besser mit dem Darm und Magen. Erste Labe, viel getrunken, einen Müsliriegel gegessen. Ich habe oft pinkeln müssen, weil ich Depp einen Kaffee zum Frühstück getrunken habe. Musste aber sein.

Lange und schwere Auffahrt zur Tauernkreuzung. Schwerer Rettenbach Downhill mit Sturz über glitschige Felsplatte. Daumen geprellt und Kratzer im Bike. In der ersten Runde angenehme Temperaturen. Fahre stellenweise ganz alleine. Bin froh, dass mein kaputtes Knie hält. Von Joe erfahre ich, dass Roman 15min vor mir liegt. Mir wurscht. Ich fahre mein Tempo!

Die erste Runde fertig nach 6 Std. 50min. Hatte Angst wegen der Zeitüberschreitung, bin aber über eine Stunde davor im Ziel. Kurz vor Bad Goisern habe ich Roman überholt. Sagt er hat Krämpfe. Er schaut auch nicht mehr ganz so gut aus. Alexandra wartet an der Ziellabe. Nette Worte. Das Gefühl, das ganze noch einmal zu fahren war gemixt. Nicht gerade begeisternd, aber dennoch gut. „Wenn ich den dritten Berg schaffe, dann schaffe ich alles", denke ich. Ich fühle mich gut.

Es wird heiß. Ich trinke viel Wasser und esse Gel´s. Nach 140km tut mir der Hintern so weh, dass ich nicht mehr richtig sitzen kann. Ich verliere eine Wasserflasche und habe über eine Stunde nichts zu trinken. Joe wartet auf der Blaa Alm auf mich. Nette aufmunternde Worte. Ich nehme mir Zeit und trinke viel. Ich erfahre von Joe, dass Roman aufgeben wollte, aber dann doch noch weitergefahren ist. Denke, den muss echt Scheiße gehen.

Jede Stunde nehme ich bewusst ein Gel und einen Müsliriegel zu mir. Magen funktioniert gut. Beine werden müde. Bin jetzt über 10 Stunden unterwegs.

Mit meinem kaputten Daumen kann ich nicht mehr richtig schalten. Ich bremse schon mit zwei Fingern.

Die Abfahrt Rettenbach liegt hinter mir. In den Schultern und im Nackenbereich starke Schmerzen, ich bremse mittlerweile schon mit drei Fingern. Keine Kraft mehr in den Fingern. Schalten tue ich auch nur noch das Notwendigste. Daumen ist blau und angeschwollen. Aber von jetzt an weiß ich, dass ich es schaffen werde. Bei den Laben immer wieder nette Worte von den Einheimischen. Auf der ganzen Strecke Anfeuerungsrufe. Tolles Gefühl. Nach 160km denke ich an die netten Motivations-sms von Renate. Ich lache am Bike. Bin ich schon übergeschnappt?!:) Aber es hilft und ich fahre weiter.

Betreuung und nette Worte von Joe, Gabi und Doris an den Betreuungsstellen. Gabi und Doris versprechen mir eine Massage, wenn ich ins Ziel komme. Sie sagen, ich darf nicht aufgeben. Beine sind sehr schwer, aber funktionieren. Puls so um 135.

Nach 180km ist mein Hintern offen. Ich blute. Daumen bewegungsunfähig. Stechende Schmerzen in den Schulterblättern und ganz besonders im Nacken. Ich muss sogar deswegen und wegen dem Hintern zeitweise absteigen und schieben. Vorletzter Berg. Puls geht nicht mehr über 125 hinauf.

Plötzlich geht's wieder gut. Letzter Berg. Bin voll motiviert. Überhole viele von der B und C Strecke. Auch zwei A´s waren dabei. Anerkennende Worte der Teilnehmer. Denke wieder an die sms. Lächle.

Schwere Abfahrt von Hochmuth. Viele vor mir schieben das Bike runter. Ich sehe Joe und Gabi in der Abfahrt. Steige nicht ab und fahre die schwere Passage durch. Fahre die letzten 6km mit Tränen in den Augen dem Ziel entgegen. Mengen von Menschen links und rechts der Strecke. Sie machen die Welle, wenn ich vorbeifahre. Anerkennende Rufe von vielen Leuten. Applaus. Ich höre von weitem den Platzsprecher. Noch mehr Menschen auf der Strecke und jubeln. Ich höre den Platzsprecher meinen Namen sagen und „Österreich" und die Zeit: 14 Std. 39min. Ich fahre Freihändig durchs Ziel und sehe Alex mit einem Bier in der Hand beim Zielausgang. Ich lache! Ich bleibe stehen und schaue durch den Zielraum. Menschen sehen mich an und klatschen. Irgendwer schüttelt mir die Hand. Beim Zielausgang bekomme ich mein Survivor T-shirt und dann mein Bier von Alex. Wolfgang und Alex gratulieren. Fremde Menschen gratulieren. Wir warten auf Roman. Joe. Ich bekomme eine Nackenmassage von Alex. Sagt meine Schultern und mein Nacken ist komplett hart. Gabi und Doris kommen und gratulieren. Roman kommt nach 15.53.10 und ich gratuliere ihm noch im Zielraum. Roman wird Gesamt 135 und 63 in seiner Klasse, ich werde Gesamt 101 und 19 in meiner Klasse. 171 Tage nach meiner Knieoperation.

Ein großes Dankeschön an Gabi und Joe. Ohne der großartigen Betreuung von beiden hätte ich es nicht wirklich geschafft. Die Aufopferung der beiden für Roman und mir an diesem Tag war toll. Danke! Danke auch an Doris für die tollen Fotos und den lustigen Worten bei den Laben. Danke an Alex und Wolfgang für einen einzigartigen Zielempfang und für eine notwendige Nackenmassage im Ziel. Diese Momente werden mir ewig in Erinnerung bleiben.

 

Fakten: 1 Runde 2 Runde Gesamt
Zeit: 6.50.47 7.48.41 14.39.28
Durchschnitt HF: 145 123 134
Durchschnitt km/h: 15,80 14,01 14,90
min/km: 3,57 4,32 4,14

 

Energieverbrauch: 10858 kcal
Herzschläge: 114302
Minimum HF: 89
Maximum HF: 161
Ausfallquote lt. Veranstalter: 58%